Sich in die Nesseln setzen

Die Brennnessel                                    

Wer kennt sie nicht?

Sie wächst überall.  Wer hat sich nicht schon einmal an ihr verbrannt? Es juckt. Es brennt. Es schmerzt. Die Haut rötet sich. Es entstehen Quaddeln.

Hilfe bei Brennnesselverbrennungen

Die Natur ist sehr nett und lässt das direkte Gegenmittel in der Nähe wachsen.

 

Diese hilfreichen Pflanzen wären:

  • ● Gänseblümchen
  • ● Spitzwegerich
  • ● Breitwegerich
  • ● Ampfer
  • ● Springkraut

Der Spitzwegerich
Man nehme Spitzwegerich und zerknüllt das Blatt. Es wird zwischen Zeigefinger und Daumen solange zerrieben bis die grüne Flüssigkeit herausläuft. Diese wird auf die schmerzende Stelle verteilt.
Ebenso soll der Brennnesselsaft helfen!

Wer ist die Brennnessel?
Überall wächst die Brennnessel. Sie bevorzugt feuchte und stickstoffreiche Standorte. Sie breitet sich schnell aus an Gartenzäunen und unwirtschaftlichen Standorten.. Sie enthält zahlreiche Mineralsalze wie Kalium- und Kalziumsalze sowie Kieselsäure. Histamin und Serotonin enthalten die kleinen Härchen der Blätter. Auch ungesättigte Fettsäuren und Caffeoylchinasäuren wurden nachgewiesen.

Verwendung
Aus den Blättern wird oft Tee zubereitet. Ich benutze die Blätter im Salat, Smoothie oder Suppe. Die Blätter kurz mit warmem Wasser abwaschen, dann brennen die kleinen Härchen nicht mehr. Sammeln des Samens und trocknen lassen. In Kuchen, Brot oder Müsli verarbeiten. Jauche ansetzen und die Pflanzen im Garten gießen. Jauche = größerer Behälter mit Wasser füllen, Blätter rein, Deckel rauf, ziehen lassen

Die Tierwelt
Auch wenn wir Menschen die Pflanze weniger mögen, so wird sie von den Tieren geliebt. Schnecken klettern sogar bis zum obersten Ende, um den Samen zu fressen. Sie sind halt Feinschmecker. Schmetterlinge sind eng mit der Pflanze verbunden. Die Brennnessel gehört zu den Futterpflanzen der Raupen. Die Raupen des Kleinen Fuchses leben nur von dieser Pflanze.

Kulturgeschichte
Die Brennnessel gehörte in der Jungsteinzeit zur wichtigsten Faser- und Gespinstpflanze. Aus der Pflanze kann sehr feiner Stoff hergestellt werden. Das Herstellungsverfahren war sehr aufwendig. Der Stoff hatte hervorragende Eigenschaften wie: hohe Reißfestigkeit, sehr hohe Feuchtigkeitsaufnahme, Bauschfähigkeit und edler Glanz. Einfacher und schneller wurde der grobe Stoff hergestellt für Säcke, Segeltuch, Stricke, Taschen, Seile, Schlingen… Die Fischer stellten ihre Netze aus den Brennnesselfasern her.

Märchen und Brennnessel

Die sechs Schwäne von den Gebrüdern Grimm

Der König verirrte sich bei der Jagd. Er ließ sich auf einen Handel ein und heiratete die Tochter einer bösen Hexe. Zum Schutze vor der Stiefmutter versteckte er seine Kinder – sechs Söhne und eine Tochter –  im Wald in einem Schloß. Den Weg fand er mit einer Zauberschnur. Die Königin erfuhr davon und nähte aus der Zauberschnur Hemden. Die Söhne wurden Schwäne. Von der Tochter wußte die Königin nichts.

Die Schwester fand ihre Brüder in einer Hütte im Wald wieder. Jeden Tag durften sie 15 Minuten Mensch sein. Die Schwester fand heraus, wie sie ihre Brüder erlösen kann. Sie musste sechs Hemden aus Sternblumen (= Brennnesseln) nähen und durfte nicht lachen und sprechen. Sie musste sechs Jahre schweigen. Ohne zu zögern, nahm sie diese Aufgabe an und machte sich ans Werk. Emsig sammelte sie die Nesselruten und stellte Nesselgarn her. Jeden Tag nähte sie in ihrem Baumversteck an den Hemden.

Ein jagender König kam vorbei, nahm das arme Mädchen mit und heiratete es. Die Schwiegermutter mochte es nicht. Sie stahl ihr dreimal das neugeborene Kind und bestrich den Mund mit Blut. Nun sollte diese Menschenfresserin auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Sie wurde zum Scheiterhaufen gebracht. Die sechs Schwäne kamen geflogen und retteten ihre Schwester. Die Königstochter konnte nun ihre Brüder mit den Hemden erlösen. Nun durfte sie endlich sprechen. Die Schwiegermutter wurde verbrannt und alle lebten glücklich bis an ihr Lebensende.

Die wilden Schwäne von Hans Christian Andersen

Der König heiratete wieder. Die Stiefmutter war den Kindern nicht gut gesonnen. Die 11 Söhne wurden in Schwäne verwandelt und die Tochter Elisa kam auf einen Bauernhof. Mit 15 Jahren kehrte sie bildhübsch an den Hof zurück. Die Stiefmutter war so neidisch, dass sie Elisa unansehnlich machte. Elisa wurde verjagt. Sie sehnte sich nach ihren Brüdern. Nach einer langen Wanderung kam sie ans Meer. In der untergehenden Sonne landeten elf Schwäne mit einer Krone auf dem Kopf und die Flügel fielen ab. Die Wiedersehensfreude war riesig. Sie wurde von ihren Brüdern mitgenommen.
Eines nachts erfuhr sie im Traum, wie sie ihre Brüder erlösen kann. Elf Hemden aus Nesseln musste sie nähen. Sie nahm mit ihren Händen die Nesseln. Sie brannten wie Feuer. Große Blasen bildeten sich an Hände und Arme. Mit den bloßen Füßen zertrat sie die Nesseln und verarbeitete das grüne Flachs. Es kam ein König an ihrer Höhle vorbei und nahm sie mit. Ein böser Bischof war ihr nicht wohl gesonnen, verleumdete sie und wollte sie verbrennen. Nachts hatte er beobachtet, wie sie auf dem Friedhof Nesseln pflückte. Die Brüder retteten sie in letzter Sekunde. Sie warf ihnen die Hemden über. Nur beim letzten Hemd fehlte ein Arm, so dass der jüngste Bruder einen Schwanenarm behielt. Alles wurde geklärt und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende.

Die Schicksalsgöttin war die Herrin über die Herstellung der Garne und Spinnfäden. In Gestalt der Frigga oder der Nornen bestimmten sie das Schicksal der Götter und Menschen. Sie stellten den Lebensfaden her. In den Märchen ist die Königstochter die Schicksalsgöttin selber. Sie spinnt den Lebensfaden und verwebt das Schicksal der Menschen ineinander. In Grimm’s Märchen hängt das Schicksal der Brüder von ihrem Wort ab, besser von Ihrem Schweigen. Traditionell wird die Schicksalsgöttin schweigend dargestellt.

Sprachliche Verbindungen

Nessel ist ein altgermanischer Pflanzenname. Sie stammt von dem indogermanischen Wort *ne  ab – Fäden zusammendrehen, knüpfen, nähen… Beispiele: – griech. néein: spinnen – griech. nema: Gespinst, Faden – lat. nere: spinnen – germ. nesteln: knüpfen, schnüren – Netz: Geknüpftes – Nestel: Band, Schnürriemen “sich in die Nessel setzen”: sich selbst in eine unangenehme Lage bringen.

“Sich in die Nessel setzen”

So führten meine Gedanken über eine Redensart zur Brennnessel und weiter zu Märchen und Göttinnen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich nie “in die Nessel setzen” und sich in eine unangenehme Lage bringen.

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