Langsam geworden – Sicherheit im Straßenverkehr und Wohnumfeld

Regelmäßig hören wir in den Nachrichten, dass es zu einem schweren Unfall gekommen ist. Schuld war ein Senior, der nicht mehr rechtzeitig reagieren konnte. Ich lasse dies jetzt auch so offen stehen. Sobald es einen schweren Unfall gab, wird der Ruf danach laut, dass Maßnahmen ergriffen werden, dass ab einem bestimmten Alter der Führerschein abzugeben ist. Was natürlich Unsinn ist, denn jeder hat auch im Alter unterschiedliche Fähigkeiten. Manchmal wäre es gut, wenn schon ein 70-jähriger seinen Führerschein abgibt. Es gibt jedoch noch 90-jährige, die Top Auto fahren und schnell reagieren.

Mein heutiger Schwerpunkt liegt bei der Sicherheit von langsamen gehbehinderten Menschen mit und ohne Rollator oder Rollstuhl im Straßenverkehr. Es gibt noch jede Menge Aufholbedarf durch die Kommunen. Fangen wir erst mal mit den Geschäften an.

Schauen wir uns mal das Themenbild an. Was sehen wir? Ebenerdige Eingänge zu den Geschäften! Nein! Es gibt Probleme das erste Geschäft mit dem Kinderwagen, Rollstuhl, Rollator oder bei Gehbehinderung zu besuchen. Der Türschwelle steht hervor. Meistens gibt es eine kleine Stufe, die verhindert, dass die Geschäfte betreten, befahren werden können. Diese Stufe ist eine Sturzquelle. Oft lassen die Geschäfte eine extra Rampe montieren, damit alle die Verkaufsfläche betreten bzw. befahren können. Eine gute individuelle Lösung.

Schauen wir weiter. Der Gehweg ist breit, die Platten sind gut begehbar und befahrbar. Die roten Steine oder die Römersteine, die üblich sind, können Probleme bereiten. Vor allem mit dem Rollator oder schlechtem Schuhwerk und Gehhilfen.  Teilweise kommt man schlecht weiter. Bei Nässe besteht Rutschgefahr.

Bei dem obigen Bild ist der Übergang zur Straße ist ebenerdig. Problemlos kann die Straße überquert werden.

 

Ein Beispiel:

Eine 85-jährige Frau steht an der Ampel einer großen Straße. Endlich springt die Ampel um. Es wird grün. Die Dame geht mit langsamen und vorsichtigen Schritten los. Sie schaut hoch und sieht, dass die Ampel umspringt. Da sie die Mitte noch nicht erreicht hat, dreht sie sich um und geht zurück. Sie versucht es mehrmals.  Der Stressfaktor ist jetzt so hoch, dass sie die Straße nun doch nicht mehr überqueren möchte. Solche Stellen sind ein Unfallschwerpunkt in den Städten. An vielen Stellen wurde schon Abhilfe geschaffen. An solchen Stellen ist die Grünphase zu verlängern und in der Mitte Inseln mit abgesenkten Bordsteinen einzuplanen.

Diese Überquerungsstellen müssen für Rollstuhlfahrer, Sehbehinderte, Blinde und Rollatorfahrer leicht auffindbar sein. Diese Stellen sollten für die Rollstuhl- und Rollatorbenutzer ganz abgesenkt sein. Für Blinde und Sehbehinderte ist das Auffinden der Überquerungsstellen schwieriger, wenn die  Bordsteinhöhe von 6 cm unterschritten wird.  Bei 3 cm wird das Auffinden der Überquerungsstelle für Blinde und Sehbehindert schwierig. Die Rollstuhl- und Rollatornutzer haben nun auch Probleme. Die Bordsteine sollten abgerundet sein, weil sie diese Stelle sonst nicht überqueren können. Bis max. 2,5 cm Höhe kann eine Schwelle mit Rollator und Rollstuhl geschafft werden. Hier gilt, je niedriger die Schwelle, um so leichter fällt das Überqueren.

 

Hier diese Lösung habe ich in Niedernhausen gesehen.

 

So, sollten die Bürgersteige nicht mehr aussehen.

 

Diese Bilder habe ich  im Süden aufgenommen. Es gibt noch viele Orte, die ihre Bürgersteige zu hoch haben und kaum eine Möglichkeit bieten bei körperlichen Einschränkungen die Straße einfach zu passieren.  Weiters sind natürlich Treppen auf dem Bürgersteig hinderlich.

 

Durch Außengastronomie, “gut” geparkte Autos, Pflanzenkübel, Bäume und vieles mehr wird die reelle Breite der Bürgersteige stark reduziert. Oft geht man hintereinander, damit man vorbeikommt.

Welchen Platzbedarf haben gehbehinderte Menschen?

Menschen mit Gehhilfen haben einen vorgesehenen Flächenbedarf von ≥ 90 cm x 70 cm, mit Rollator ≥ 80 cm x ≥ 100 cm und Rollstuhlfahrer (Wendekreis  ≥ 150 cm). Diese Flächen sollen überall eingehalten werden.  Ein größeres Platzangebot ist natürlich besser.

Die Busse sind ein weiterer Schwerpunkt. Diese sind teilweise auf Bürgersteigniveau absenkbar. Eine Rampe kann herausgehoben werden. In Münster habe ich gesehen, wie der Busfahrer aufgestanden ist und für den Rollstuhlfahrer die Rampe herausgehoben hat. Vorbildlich. Oft höre ich das Gegenteil. Der Busfahrer hilft nicht. Es wird gesagt, dass er seinen Fahrerplatz nicht verlassen darf. Oft sind die Busse so voll, dass drei, vier Busse abgewartet werden müssen, bis er einsteigen kann. Manchmal funktionieren auch die Rampen nicht. Sie können nicht herausgehoben werden. Es fehlen Helfer.

Auch gehbehinderte Menschen haben es schwer. Sie benötigen Hilfe beim Aus- und Einsteigen und einen Sitzplatz in der Nähe der Tür.

 

Weiters ist eine sehr gute Beleuchtung im Außenbereich wichtig. Abends, wenn es dunkel ist, gehen viele Senioren sehr ungerne raus. Deshalb müsen die Wege und Zugänge schattenfrei ausgeleuchtet werden. So werden weitere Unfälle durch Stolperfallen… vermieden.

Bänke in regelmäßigen Abständen verteilt, helfen die  langen Strecken zu unterbrechen und Kraft zu schöpfen. Sie bieten die Möglichkeit einer Pause. Dadurch werden zusätzliche Stürze vermieden.

 

Ungünstig finde ich je nach Breite des Bürgersteigs die Zweiteilung in Fußgänger- und Fahrradweg. Für beide ist oft der angebotene Weg zu schmal. Die Fußgänger können oft nicht zu zweit nebeneinandergehen. Der Rollstuhlfahrer benötigt die gesamte Breite.

Oft sind die Flächen deutlich markiert. Meist fahren die Radfahrer am Außenrand. In manchen Städten haben sie jedoch ihre Fahrspur mitten auf dem Bürgersteig.  Die Trennung ist oft unklar.

 

Die Bauverordnung DIN18040 gibt Auskunft darüber, wie Gebäude, Wege… gebaut sein sollten . Diese ist, wie folgt, aufgeteilt:

DIN 18040-1  öffentlich zugängliche Gebäude

DIN 18040-2  barrierefreies Bauen

DIN 18040-3 öffentlicher Verkehrsraum

 

 

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